Praxis

Geschwindigkeitsüberschreitung

Welche Geschwindigkeitsüberschreitung führt zu einem Entzug? Welche nur zu einer Verwarnung oder zu gar keiner Administrativmassnahme?

Ich bin innerorts 14 km/h zu schnell gefahren - was passiert nun? Muss ich den Führerausweis abgeben?

Meine Frau hat ausserorts einen «Sonntagsfahrer» mit mehr als der erlaubten Höchstgeschwindigkeit überholt und wurde geblitzt. Sie hat bis jetzt nicht einmal eine Busse gehabt. Ab welcher Geschwindigkeitsüberschreitung muss sie den Führerausweis abgeben?

Mein Sohn hat sich durch Kollegen provozieren lassen und ist auf der Autobahn sicher mehr als 30 km/h zu schnell gefahren - muss er den Führerausweis abgeben und wenn ja, wie lange?

Die vom Bundesgericht festgelegten Werte

Das Bundesgericht hat in zahlreichen Urteilen genaue Werte festgelegt. Die konkreten Umstände des Einzelfalls wie zum Beispiel, dass Sie einen dringenden Geschäftstermin hatten, auf die Toilette mussten, vor und nach Ihnen kein weiteres Auto zu sehen war und so weiter, spielen grundsätzlich keine Rolle. Die Massnahmen in der Tabelle gelten, wenn Sie zum ersten Mal gegen Strassenverkehrsvorschriften verstossen («Erstfall»).

Im «Erstfall» gilt unabhängig von den konkreten Umständen des Einzelfalls:

Überschreitung innerorts

  • bis 15 km/h: 
    keine Administrativmassnahme
  • von 16 - 20 km/h: 
    Verwarnung (leichte Widerhandlung)
  • von 21 - 24 km/h:
    Entzug von mindestens einem Monat (mittelschwere Widerhandlung)
  • ab 25 km/h:
    Entzug von mindestens drei Monaten (schwere Widerhandlung)

Überschreitung ausserorts (inkl. Autostrasse)

  • bis 20 km/h:
    keine Administrativmassnahme
  • von 21 - 25 km/h: 
    Verwarnung (leichte Widerhandlung)
  • von 26 - 29 km/h:
    Entzug von mindestens einem Monat (mittelschwere Widerhandlung)
  • ab 30 km/h:
    Entzug von mindestens drei Monaten (schwere Widerhandlung)

Überschreitung Autobahn

  • bis 25 km/h: 
    keine Administrativmassnahme
  • von 26 - 30 km/h: 
    Verwarnung (leichte Widerhandlung)
  • von 31 - 34 km/h:
    Entzug von mindestens einem Monat (mittelschwere Widerhandlung)
  • ab 35 km/h:
    Entzug von mindestens drei Monaten (schwere Widerhandlung)

Was ist, wenn ich nicht zum ersten Mal gegen die Strassenverkehrsvorschriften verstossen habe?

Sie müssen mit deutlich längeren Entzugsdauern rechnen, falls Sie innert der vom Gesetz bestimmten Fristen erneut gegen die Strassenverkehrsvorschriften verstossen haben (Kaskadensystem).

Was passiert bei einem sogenannten «Raserfall»?

Haben Sie eine krasse Geschwindigkeitsüberschreitung begangen, zum Beispiel um 

  • mindestens 40 km/h, wo die Höchstgeschwindigkeit höchstens 30 km/h beträgt
  • mindestens 50 km/h, wo die Höchstgeschwindigkeit höchstens 50 km/h beträgt
  • mindestens 60 km/h, wo die Höchstgeschwindigkeit höchstens 80 km/h beträgt
  • mindestens 80 km/h, wo die Höchstgeschwindigkeit mehr als 80 km/h beträgt 

Dann müssen Sie Ihren Führerausweis für mindestens zwei Jahre abgeben. Damit Sie wieder fahren dürfen, muss diese Mindestentzugsdauer abgelaufen sein und in der Regel müssen Sie ein verkehrspsychologisches Gutachten vorweisen, das Ihre charakterliche Fahreignung bejaht.